Mittelstand setzt auf Mittelstand: Was eine neue Studie über den deutschen IT-Markt verrät
Eine aktuelle Untersuchung der Universität Potsdam zeigt: Fast die Hälfte aller mittelständischen Unternehmen in Deutschland vertraut bei ihrer ERP-Software auf Lösungen aus dem IT-Mittelstand. Was steckt dahinter, was bedeutet das für Sie als Entscheider, und warum ist das Thema relevanter denn je?
Wer trägt eigentlich wen?
Der deutsche Mittelstand gilt als Rückgrat der Wirtschaft. Das klingt nach einer Floskel, aber wenn man sich die Zahlen genauer anschaut, wird schnell klar: Es ist schlicht die Realität. Und innerhalb dieses Rückgrats gibt es eine Beziehung, über die kaum jemand offen spricht: die zwischen dem Anwender-Mittelstand und dem IT-Mittelstand.
Der Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi) hat genau diese Frage aufgeworfen und dafür den Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Potsdam beauftragt, sie empirisch zu beantworten. Das Ergebnis liegt seit Mai 2026 vor, und es lohnt sich, genauer hinzuschauen.
Was die Studie untersucht hat
Das Forschungsteam rund um Prof. Dr.-Ing. Norbert Gronau hat eine Stichprobe von rund 2.500 Unternehmen analysiert. Der methodische Ansatz: ERP-Systeme als Proxy. Der Gedanke dahinter ist so einfach wie überzeugend.
ERP-Software (Enterprise Resource Planning) ist die meistgenutzte betriebliche Standardsoftware überhaupt. Sie verknüpft Buchhaltung, Lagerverwaltung, CRM, Produktion und mehr in einer zentralen Plattform. Und weil ERP-Anbieter typischerweise ein ganzes Ökosystem an komplementären Lösungen mitbringen, gibt die Wahl des ERP-Systems einen verlässlichen Hinweis darauf, ob ein Unternehmen eher auf Konzernlösungen oder auf mittelständische Software setzt.
Für die Studie wurden zwei Gruppen klar definiert: Der Anwender-Mittelstand umfasst Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitenden. Der IT-Mittelstand auf der Anbieterseite sind Softwareunternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitenden, die durch starke Kundennähe und Spezialisierung geprägt sind.
Die Stichprobe deckte insgesamt über 4,6 Millionen Arbeitsplätze ab, davon entfielen 72,5 % auf mittelständische Unternehmen. Eine solide Basis für belastbare Aussagen.
Das zentrale Ergebnis: Fast jeder Zweite wählt den IT-Mittelstand
KUnter den 1.662 mittelständischen ERP-Anwenderunternehmen in der Stichprobe setzen 44,3 % auf Lösungen aus dem IT-Mittelstand, während 55,7 % auf Konzern-ERP wie SAP oder Microsoft Dynamics zurückgreifen. Auf den ersten Blick mag das wie eine klare Mehrheit für die großen Anbieter aussehen. Aber wenn man bedenkt, mit welchem Marketingbudget, Vertriebsapparat und Markenbekanntheit die Konzerne antreten, ist fast die Hälfte des Marktes zu halten, eine durchaus außerordentliche Leistung.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Reichweite dieser mittelständischen Lösungen: Sie werden über alle Unternehmensgrößen hinweg eingesetzt, und selbst bei Großunternehmen liegt der Anteil noch bei über 20 %. Mittelstandssoftware ist also längst kein Nischenthema für kleine Betriebe.
Mittelstand kauft Mittelstand – meistens
Ein interessanter Befund der Studie betrifft das Auswahlverhalten nach Unternehmensgröße. Denn es gibt eine klare Tendenz: Anwender bevorzugen IT-Anbieter aus ihrer eigenen Größenklasse. Kleinstunternehmen greifen überdurchschnittlich oft zu Software kleiner Anbieter, Großunternehmen eher zu Konzernprodukten.
Schaut man auf die Prozentzahlen, sieht man die Verschiebung deutlich:
- Kleinstunternehmen (< 10 MA): 48,8 % nutzen Mittelstands-ERP
- Kleinunternehmen (< 50 MA): 52,9 %
- Unterer Mittelstand (< 250 MA): 46,6 %
- Mittelstand (< 500 MA): 37,8 %
- Oberer Mittelstand (< 1.000 MA): 28,9 %
- Großunternehmen: 22,5 %
Was auffällt: Selbst im oberen Mittelstand und bei Großunternehmen sind mittelständische ERP-Lösungen keineswegs bedeutungslos. Das spricht für die Qualität und Leistungsfähigkeit dieser Anbieter.
Branchenübergreifend relevant, nicht nur im Maschinenbau für Ihr IT-Team
Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie: Der IT-Mittelstand ist in keiner einzigen großen Branche bedeutungslos. Ob Chemie, Elektrotechnik, Lebensmittel, Handel, Immobilien oder IT-Dienstleistungen selbst, überall hält er signifikante Marktanteile.
Besonders stark vertreten ist er erwartungsgemäß in klassischen Mittelstandsbranchen wie dem Dienstleistungssektor, der Metallverarbeitung und dem Handel allgemein. Einzig im Fahrzeugbau, wo Konzernstrukturen dominieren, ist der Anteil etwas geringer. Aber auch dort ist er vorhanden.
Das zeigt: Mittelständische IT-Unternehmen haben keine Heimatbranche, sie sind Generalisten mit Spezialisierungstiefe.
Vielfalt als Stärke: 197 verschiedene ERP-Systeme im Einsatz in der Lieferkette
Ein Detail, das auf den ersten Blick überrascht: In der Stichprobe wurden insgesamt 197 verschiedene ERP-Systeme identifiziert. Das ist kein Zeichen von Fragmentierung oder Chaos. Es ist ein Zeichen von Diversität und Wettbewerb.
Auf der Anbieterseite kommen die meisten dieser Systeme von kleinen und mittleren Unternehmen:
- Kleinunternehmen (< 50 MA): 56 verschiedene Systeme (28,4 % aller Anbieter)
- Unterer Mittelstand (< 250 MA): 63 Systeme (32,0 %)
Zusammen decken diese beiden Größenklassen bereits 60 % aller am Markt vertretenen ERP-Anbieter ab. Konzerne mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden hingegen stellen nur 13,2 % der Anbieter, prägen aber durch ihre Verbreitung natürlich einen erheblichen Teil der Installationen.
Was das für Sie als Entscheider bedeutet
Wenn Sie in Ihrem Unternehmen gerade über eine neue Software-Infrastruktur nachdenken, oder Ihr ERP-System in die Jahre gekommen ist, dann liefert diese Studie ein klares Signal: Der Markt der mittelständischen IT-Anbieter ist leistungsfähig, breit aufgestellt und vertrauenswürdig. Die Entscheidung für eine Konzernlösung ist nicht automatisch die sichere Entscheidung, und die Entscheidung für einen mittelständischen Anbieter ist kein Kompromiss.
Gleichzeitig sollten Sie eine Frage mitdenken, die die Studie nicht explizit beantwortet, die aber unmittelbar damit zusammenhängt.
Und dann ist da noch das Thema Sicherheit
Software-Entscheidungen sind IT-Entscheidungen. Und IT-Entscheidungen sind heute immer auch Sicherheitsentscheidungen.
Also egal ob Sie auf eine Konzernlösung oder eine mittelständische ERP-Plattform setzen: Jedes System, das in Ihre Geschäftsprozesse eingebunden ist, ist auch ein potenzieller Angriffspunkt. Ransomware, Datenlecks, kompromittierte Lieferketten, all das sind keine abstrakten Szenarien mehr. Sie treffen Unternehmen aller Größen, in allen Branchen, täglich.
Gerade mittelständische Unternehmen stehen hier vor einer besonderen Herausforderung: Die IT-Ressourcen sind begrenzt, das Bedrohungsbild aber komplex. Ein eigenes Security Operations Center (SOC) zu betreiben ist für die meisten schlicht nicht wirtschaftlich.
Genau hier setzt Managed Detection and Response (MDR) an. Statt intern Kapazitäten aufzubauen, die dauerhaft kaum wirtschaftlich zu betreiben sind, übernimmt ein spezialisierter Anbieter die kontinuierliche Überwachung, Erkennung und Reaktion auf Bedrohungen. Mit NovaMDR™ bieten wir genau das: eine MDR-Lösung, die konsequent auf die Anforderungen des Mittelstands zugeschnitten ist, ohne Konzernkomplexität, aber mit vollem SOC-Rückhalt. Mittelstand schützt Mittelstand, wenn man so will. Dieselbe Logik, die die BITMi-Studie für ERP-Software belegt, gilt also auch für Cybersecurity.
Fazit: Mittelständische IT ist keine Notlösung, sie ist eine bewusste Wahl
Die Studie der Universität Potsdam macht sichtbar, was viele in der Praxis längst wissen: Der IT-Mittelstand ist strukturell tief im deutschen Wirtschaftsgefüge verankert. Fast jedes zweite mittelständische Unternehmen setzt auf seine Lösungen, branchenübergreifend, größenübergreifend, mit Tendenz zur Loyalität.
Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von Kundennähe, Spezialisierung und dem Verständnis dafür, wie der Mittelstand wirklich tickt. Wer als IT-Anbieter Mittelstand denkt, nicht Konzernstruktur, trifft die Sprache, die Anforderungen und den Rhythmus seiner Kunden.
Für Sie und Ihr Unternehmen bedeutet das: Schauen Sie sich bei der nächsten Softwareentscheidung bewusst auch mittelständische Anbieter an. Nicht aus Solidarität, sondern weil die Zahlen zeigen, dass es sich lohnt.
Gronau, N. (2026). Wie stark trägt der IT-Mittelstand den deutschen Mittelstand? Untersuchung für den Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi). Universität Potsdam, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik.



